Erste Stammzellen-behandlung bei Patienten Mit Atopischem Ekzem

Sowohl die chronische als auch die rezidivierende Form des Ekzems gehen auf eine entzündliche Erkrankung der Haut zurück, die sich durch gerötete und schuppende Stellen auf der trockenen Haut äussert und Entzündungen verursacht

Das atopische Ekzem, auch Neurodermitis, ist eine häufig bei Kindern anzutreffende chronische Erkrankung

Sowohl die chronische als auch die rezidivierende Form des Ekzems gehen auf eine entzündliche Erkrankung der Haut zurück, die sich durch gerötete und schuppende Stellen auf der trockenen Haut äussert und Entzündungen verursacht. Ursache der Erkrankung ist eine Fehlfunktion des Immunsystems der Haut, die sowohl auf genetische wie umweltbedingte Faktoren zurückzuführen ist. Ihr Auftreten im Kindesalter ist typisch für diese Krankheit, von der in den entwickelten Ländern bis zu 20 % der Kinder und 3 % der Erwachsenen betroffen sind.

Die aktuellen Behandlungsmethoden bestehen aus der Gabe von lokalen Steroiden – wie zum Beispiel von Kortisonsalben – und von systemischen Immunsuppressiva. Einerseits ist jedoch die Wirksamkeit der Salben beschränkt, da ihre Anwendung mittelfristig zu Nebenwirkungen führt. Andererseits stellen auch die Immunsuppressiva ein Toxizitätsrisiko dar und gehen ebenfalls mit Nebenwirkungen einher.

Interessante immunmodulierende Eigenschaften

Stammzellenbasierte Therapien (SCT) haben ihre mögliche Wirkung gegen unheilbare Krankheiten bereits in mehreren Vorstudien gezeigt. Insbesondere mesenchymale Stammzellen wurden wegen ihrer immunmodulierenden Eigenschaften bereits bei der Behandlung bestimmter Immunerkrankungen eingesetzt. Im diesem Zusammenhang wurde kürzlich ihre Wirkung bei der Behandlung des atopischen Ekzems untersucht.

Eine erste, von der Seoul National University (Südkorea) durchgeführte, vorklinische Studie hat die Mechanismen aufgedeckt, durch die aus menschlichem Nabelschnurblut gewonnene mesenchymale Stammzellen bei subkutaner Injektion mit dem Immunsystem der Haut interagieren und die entzündliche Reaktion mildern.

Eine grosse Premiere für Patienten, die am atopischen Ekzem erkrankt sind

In diesem Jahr konnte die genannte Forschungsgruppe in Zusammenarbeit mit dem Seoul St. Mary’s Hospital im Rahmen eines klinischen Versuchs zeigen, dass diese Ergebnisse erfolgreich reproduzierbar sind.

Die Studie wurde an 34 Patienten durchgeführt:

  • 7 Patienten in der Phase I (Untersuchung der Verträglichkeit und der Behandlungssicherheit)
  • 27 Patienten in der Phase IIa (Untersuchung der Wirksamkeit abhängig von der verabreichten Dosis)

2 Dosierungen, eine schwache und hohe, wurden in der Phase IIa getestet und randomisiert verabreicht

Nach der Behandlung, die aus einer einzigen subkutan injizierten Einzeldosis bestand, wurden die Patienten im Abstand von 2 Wochen über einen Zeitraum von 12 Wochen untersucht. Der Schweregrad ihrer Erkrankung wurde mithilfe eines standardisierten Scoring-Systems ermittelt. Es wurden zwei Parameter gemessen: der SCORAD (Scoring Atopic Dermatitis) und der EASI (Eczema Area and Severity Index).

Verbesserung der Symptome und Reduzierung der Biomarker-Rate

Durch die subkutane Injektion von mesenchymalen Stammzellen aus menschlichem Nabelschnurblut konnten die Krankheitssymptome verbessert werden. Diese Verbesserung konnte anhand der Messung der beiden Parameter (SORAD und EASI) quantifiziert und bestätigt werden.

Konkret wurde bei 55 % der Patienten, welche die hohe Dosis erhalten hatten, eine Verringerung des EASI-Wertes um 50 % beobachtet. Es ist interessant festzuhalten, dass die Effizienz der Behandlung von der verabreichten Dosis abhängt, wobei durch die höchste Dosis die besten Ergebnisse erzielt wurden.

Parallel zu diesen Ergebnissen ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Behandlung zu einer Verringerung jener Biomarker führte, die gewöhnlich den Schweregrad der allergischen Reaktion anzeigen (Gesamt-Immunglobulin E im Serum und Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut).

Bezüglich der Sicherheit konnte keinerlei schwere Nebenwirkung beobachtet werden, und es wurde eine gute Verträglichkeit der Behandlung festgestellt.

Beweis für ein Konzept

Die Autoren der Studie betrachten diese Ergebnisse als vielversprechend und aufschlussreich im Hinblick auf das Potenzial von Therapien mit Stammzellen aus Nabelschnurblut zur Behandlung dieser weit verbreiteten Erkrankung.

Sie planen die Durchführung einer weiteren, breiter angelegten Studie mit einer Kontrollgruppe von Patienten, die ein Placebo erhalten soll, um die gewonnen Ergebnisse zu untermauern und so eine neue Behandlungsmethode zu entwickeln, die einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

QUELLEN
Kim HS, Yun JW, Shin TH et al. (2015) Human umbilical cord blood mesenchymal stem cell- derived PGE2 and TGF-beta1 alleviate atopic dermatitis by reducing mast cell degranulation. STEM CELLS 33:1254–1266. Kim HS, Lee J H, Roh KH et al. (2016) Clinical Trial of Human Umbilical Cord Blood-derived Stem Cells for the Treatment of Moderate-to-Severe Atopic Dermatitis: Phase I/IIa Studies. STEM CELLS