Die Wichtigkeit von Nabelschnurgewebe für regenerative Medizin

Die Bedeutung des proliferativen Potenzials und der Differenzierung von mesenchymale Stammzellen in Nabelschnurgewebe

Seit 1988, dem Jahr, in dem die erste Stammzelltransplantation aus Nabelschnurblut zur Behandlung von Fanconi-Anämie durchgeführt wurde, ist die Nabelschnur Gegenstand zahlreicher Studien und wissenschaftlicher Untersuchungen, um ihr großes therapeutisches Potenzial zu demonstrieren.

Vor etwa zehn Jahren ist das Nabelschnurgewebe in den Mittelpunkt solcher Studien und Forschungen gerückt: «Nabelschnurgewebe gilt seit vielen Jahren als völlig nutzlos. Es handelte sich um einen biologischen Abfall. Wir haben alle vorhandenen Beweise gesammelt, um zu bestätigen, dass es dank der Kryokonservierung für weitere klinische Anwendungen genutzt werden kann», sagt Timur Fatkhudinov, Mitautor einer kürzlich in der Zeitschrift Stem Cell Research & Therapy veröffentlichten Studie.

Fatkhudinov betont zusammen mit seinem Forscherteam von der RUDN –Department of Histology, Cytology, and Embryology of the Institute of Medicine in Russland – die Bedeutung des proliferativen Potenzials und der Differenzierung von mesenchymale Stammzellen (MSC) in Wharton-Sulze, die die Nabelschnurgefäße umhüllt und schützt.

Wharton-Sulze ist eine wertvolle Reserve an Wachstumsfaktoren und enthält eine signifikante Menge an extrazellulären Matrixkomponenten wie Kollagen und Hyaluronsäure, die zur Beschleunigung der Heilungsprozesse beitragen. Nabelschnur Stammzellen sind für die regenerative Medizin und die Gewebekonstruktion sehr wertvoll, da sie sich in verschiedene Zelltypen (Knochen, Sehnen, Muskeln, Knorpel usw.) verwandeln können und ihre Gewebereparatureigenschaften aufweisen.

Bislang haben sie sich bereits bei der Behandlung von Spina bifida, komplexen Geschwüren der unteren Extremitäten sowie bei vielen anderen Erkrankungen wie Diabetes, Ischämie und Osteomyelitis bewährt. Darüber hinaus hat die Food and Drug Administration (FDA) kürzlich mehr als 100 klinische Studien angekündigt, in denen Nabelschnurgewebe MSCs zur Behandlung von kardiovaskulären, hepatischen und muskuloskelettalen Insuffizienzen sowie bei Autoimmun– und neurologischen Erkrankungen eingesetzt werden.

Der Hauptnachteil der Nabelschnur als Stammzellquelle ist ihre Vergänglichkeit: Die Entnahme von Nabelschnurblut- und Gewebeproben ist nur für einen kurzen Zeitraum unmittelbar nach der Geburt möglich. Aus diesem Grund ist Fatkhudinov überzeugt, dass die ideale Lösung dafür die Kryokonservierung in flüssigem Stickstoff bei -196°C ist. Dieser Prozess schützt durch Einfrieren alle nützlichen Komponenten, die aus der Nabelschnur gewonnen werden, und deren biologische Funktionen werden nach dem Auftauen wiederhergestellt.

Ebenso ist Nescens Swiss Stem Cell Science überzeugt, dass die Kryokonservierung von Nabelschnurblut als Quelle für haematopoietische Stammzellen und gleichzeitig von Nabelschnurgewebe als Quelle für mesenchymale Stammzellen die Antwort auf den möglichen Bedarf an autologen Transplantationen oder Graften ist.